Vania Kulka

Züchterin aus
Leidenschaft

Auf den Stationen werden die Zuchtprogramme umgesetzt: Hier kommen Theorie und Praxis zusammen, hier wird gesät, bestäubt, evaluiert. Für Vania Kulka ist der Aufbau der 32 Hektar großen Zuchtstation im brasilianischen Ponta Grossa eine besondere Aufgabe.

Wenn Vania Kulka aus dem Fenster ihres Büros schaut, kann sie ihrer Arbeit beim Wachsen zusehen: Ihr Blick wandert über die Zuchtgärten und Versuchsfelder der KWS Zuchtstation Ponta Grossa im Bundesstaat Paraná südwestlich von São Paulo. Hier verantwortet sie das Maiszuchtprogramm für den Süden Brasiliens.

Subtropisches Klima kennzeichnet die Region, die in der Regel über fruchtbare Böden verfügt, welche sich hervorragend für die Landwirtschaft eignen. Allerdings zeichnet sich die Region auch durch sehr unterschiedliche klimatische Bedingungen aus. Für Züchter eine echte Herausforderung. Und genau das reizt Vania Kulka an ihrem Job.

Zurück zu den Wurzeln

In ihrer Familie hat die Landwirtschaft Tradition: Schon ihr Vater und ihre Großeltern waren Landwirte. Vania Kulka lebte bis zu ihrem 17. Lebensjahr auf einer Farm, auf der hauptsächlich Mais, Bohnen und Tabak angebaut wurden.

Nach einem zweijährigen Intermezzo in der Versicherungsbranche besann sich Vania Kulka wieder auf ihre Wurzeln und nahm das Studium der Agrarwissenschaften auf. Ihr Weg führte sie nach der Uni im Jahr 2008 zum kleinen Maiszüchtungsbetrieb SEMÍLIA in Campo Largo, etwa neunzig Kilometer von Ponta Grossa entfernt, wo sie zunächst als Praktikantin arbeitete. Im Jahr darauf wurde sie als Forscherin angestellt. 2012 übernahm KWS die Züchtungsbetriebe SEMÍLIA und DELTA und führte das Zuchtmaterial in einer neuen Gesellschaft zusammen.

◼ Die Maiszuchtstation von Vania Kulka

Vania Kulka hat von ihrem Büro einen direkten Blick auf die Maisfelder

Schwerpunkt von Vania Kulkas Arbeit ist der Safra-Mais, der hauptsächlich im September gesät wird

Maiszüchterin mit Leib und Seele: Vania Kulka beim Feldrundgang

Familiäre Werte

„Mein damaliger Vorgesetzter bot mir eine Stelle in Cambé bei Londrina an, um dort im Norden von Paraná die Station zu leiten“, sagt Vania Kulka. Der Ort liegt rund fünf Autostunden von ihrer damaligen Arbeitsstätte entfernt. „Im Februar 2014 begann ich noch ein Masterstudium und beendete es zwei Jahre später mit dem Master in Genetik und Pflanzenzüchtung, und ich bekam eine neue Position als Züchterin.“

Im Juli 2016 wurde der Umzug der Station von Campo Largo nach Ponta Grossa beschlossen. „Ich fragte, ob ich nicht auch nach Ponta Grossa mitziehen könnte. Warum? Weil dies meine Heimat ist!“, sagt Vania Kulka. Denn die Nähe zur Familie sei ihr sehr wichtig: „Die Familie ist in Brasilien die Basis für alles. Daher kann ich mich mit den Werten von KWS wie Nähe und Verlässlichkeit so gut identifizieren. Dies sind nicht nur Worte: Eigentümer und Vorstand von KWS haben uns bereits besucht und uns so freundlich behandelt. Das macht KWS besonders.“

Zuchtprogramm mit drei Hauptzielen

In Brasilien gibt es zwei Kategorien von Mais: Safra-Mais, der hauptsächlich im September gesät wird, und Safrinha-Mais, der normalerweise im Februar gesät wird, wenn die Sojaernte abgeschlossen ist. Vania Kulkas Schwerpunkt ist der Safra-Mais.

„Mein Programm für die Züchtung von Maishybriden für den Süden unseres Landes ist noch sehr jung. Bei SEMÍLIA haben wir wenig Technologien eingesetzt. Es war fast ausschließlich Handarbeit. Bei KWS können wir technologisch aus dem Vollen schöpfen. Dank dieser Ressourcen kommen wir schneller zum Ziel: Dieses Jahr wurden die ersten drei Hybriden in der Region zugelassen.“ Die wichtigsten Ziele der Maiszüchtung für den Süden Brasiliens sind hoher Ertrag, frühe Reife und Krankheitstoleranz. Insbesondere sich schnell entwickelnde Pflanzen sind für die Region im Süden Brasiliens entscheidend.

Vania Kulkas Team, das aus 27 Kolleginnen und Kollegen besteht, profitiert von dem globalen KWS Züchternetzwerk und den zur Verfügung stehenden Technologien: „Wir tauschen viel Material mit anderen Züchtern aus. Jedes Jahr bekommen wir neue Inzuchtlinien aus den amerikanischen, chinesischen und argentinischen Zuchtprogrammen. Unsere Hybriden werden in anderen Regionen getestet, in China, Afrika und Argentinien. Mit den Kollegen in den Laboren in Einbeck arbeiten wir eng zusammen: Erst vor Kurzem haben wir mit der genomischen Selektion begonnen, und sie helfen uns auch bei anderen Projekten im Rahmen der Markeranwendung. Und sie unterstützen dabei, die Reinheit der Linien zu analysieren, bevor wir sie an die Kollegen zur Erzeugung von Vorbasissaatgut übergeben.“ Aber auch der gute Draht nach Patos de Minas ist wichtig: Dort arbeiten die Teams für Vorbasis- und Basissaatgut, Vertrieb, Agroservice und Marketing von KWS Sementes.

„Züchter brauchen Leidenschaft, Wissen und Energie. Es ist eine harte Arbeit, die sich über Jahre hinzieht. Mir macht es einfach Spaß, wenn ich die Entwicklung von den Linien bis zu den Hybriden begleiten kann. Ich plane gern im Büro, aber noch lieber gehe ich aufs Feld.“ Weit ist der Weg nicht: Vania Kulkas Büro liegt mitten in den Versuchsfeldern. |

INFO

KWS in Brasilien

Brasilien ist ein Land mit gewaltigem landwirtschaftlichen Potenzial. Lange hat KWS vorrangig Sorten für die gemäßigte Klimazone gezüchtet und war nicht in Brasilien aktiv. Um auf dem Maismarkt eine langfristige Perspektive auf Erfolg zu haben, brauchte KWS drei Komponenten: Produktionskapazitäten, eine etablierte Vertriebsstruktur und Zugang zu regional angepasstem Zuchtmaterial. Im Juli 2012 betrat KWS den brasilianischen Markt für Maissaatgut und erwarb die Züchterhäuser SEMÍLIA und DELTA, die sie in der neu gegründeten KWS Melhoramento e Sementes LTDA zusammenführte. Gleichzeitig übernahm KWS fünfzig Prozent des Unternehmens RIBER, das auf eine langjährige Erfahrung bei Produktion und Vertrieb von Maissaatgut zurückblickt. Mit der Übernahme der übrigen Anteile von RIBER und der Integration der KWS Melhoramento e Sementes LTDA bündelte KWS das Geschäft in Brasilien in der Gesellschaft KWS SEMENTES LTDA. |


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